Dokumentation der Netzwerktreffen

29. Netzwerktreffen: Fountainhead Tanz Theater

 

16.4.2014: Die farbenfrohen Veranstaltungsplakate des Fountainhead Tanz Theaters verleihen dem neuen Kesselraum den geeigneten Rahmen. Seit ihrer Gründung 1980 in Berlin befasst sich die gemeinnützige Organisation damit, über Produktion, Performance und Unterricht einen kulturellen Austausch zu gestalten, zu fördern und mittels verschiedener Projekte zu bewirken.

Der Co-Founder, Direktor und Curator Prof. Donald Muldrow Griffith selbst sowie sein Kernteam erzählten, wie Fountainhead ihr eigenes Leben nachhaltig veränderte und liessen Auszüge ihrer Projekten für sich sprechen:

Das XXIX. Black International Cinema Berlin Festival, 7.-11.5.14, in Schöneberg, eröffnet Möglichkeiten auf andere, neue Sichtweisen. Durch Filmbeiträge wie die wahre Geschichte über "Kids, Jazz & Music" erhalten Jugendliche vielleicht eher wieder einen Bezug zur Musik, so Griffith.

Gleichzeitig zeigt "Kids & Music" aber auch auf, dass interkulturelle Ambitionen erfolgreich sind, dass Erfolg der Lohn von Fleiß und Ausdauer ist - und dass dies alles Spaß macht.  

Andere von Fountainhead präsentierte Filmbeiträge wie "Black & Cuba" oder "Coloured Frames" veranschaulichen das Unverständnis und die Zerrissenheit von schwarzen Künstlern oder Studenten an Elite Universitäten, wie sie sich "anders", "unsichtbar" und "zornig" fühlen.

Der Sommer 1919 ging wegen seiner blutigen Rassenunruhen als "Red Summer" in die US amerikanische Geschichte ein. Ralph J. Bunche, Verfechter der gewaltlosen Diplomatie, erhielt 1950 als erster Schwarzer den Friedensnobelpreis, wird von Eisenhower ins Weisse Haus eingeladen - und zeitgleich in eine F.B.I Untersuchung verwickelt. Dr. Martin Luther King proklamiert offen zivilen Ungehorsam, erhält ebenfalls den Friedensnobelpreis - und folgt im September 1964 der Einladung Willy Brandts nach Berlin.

Die Tanzperformance "Chidren of Abraham" ist Teil der Dokumentation "A DAY IN THE LIFE...? AND A CHILD WILL LEAD THE WAY...", eine visuelle Collage unter der Regie und Choreographie von Donald. Der Film wird seine Premiere auf dem XXIX. 2014 Black International Cinema Berlin feiern.

"Ich kann nichts dafür, habe nur gemacht was mir gesagt wurde", das visualisiert die energetische Tanzperformance von Marion Kramer. Auch hier überlässt Fountainhead jede Deutung und Wertung dem Betrachter.

Trotz all dieser Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen (oder gerade deswegen?) erzeugen die Beiträge und das Fountainhead-Team positive Energie und Hoffnung. So fordern z.B. Ty Blair's performing ARTSHIP oder das interkulturelle Sozialprojekt "Art without Judgement" einfach JEDEN zum Mitmachen auf und die von Fountainhead organisierte Ausstellung "footprints in the sand?", 1.7.-31.8.14 im Rathaus Schöneberg, lädt zum Mitmachen ein, damit "Kunstwerke nicht einfach verwehen...", so Marion Kramer

Seit 1995 hat Fountainhead ein besonderes "Sprachrohr": In "THE COLLEGIUM", interkulturelles TV-Magazin auf Alex Offener Kanal Berlin, diskutiert Prof. Donald Muldrow Griffith mit verschiedensten Gästen ethnische, religiöse und sozioökonomische Aspekte, wie mit Sandra Becker die spannende Entwicklung Berlins als Kunstmetropole. Es war ein erstaunlicher Abend, gefolgt von spannenden Gesprächen, erfüllt mit Neugierde auf Fountainhead's anstehende Projekte. "Blick' in die Zukunft, die Flagge weht noch!"

 

 

28. Netzwerktreffen: Südstern Collective

 

Der frisch ausgebaute rohe Kesselraum wird am 19.3.2014 ertastet und mit feinen Bewegungen durch den Raum gefüllt. Das Südstern Collective arbeitet interdisziplinär. Die Gruppe besteht derzeit aus 6 Personen von 5 verschiedenen Nationen. Das Thema sind Übertragungsprozesse von Bewegung in Sprache, konkret das Reisen bzw. die Suche nach einem Zuhause.

Das Kollektiv besteht vorrangig aus Frauen, die von - weither angereist - sich in Berlin zusammen gefunden haben. Es werden unterschiedliche Formationen gebildet, immer wieder laufen, Drehungen, alltägliche Bewegungsmuster werden aufgegriffen. Der Umgamg miteinander, das Aufeinander Einlassen ist entscheidend. Dabei nimmt das Mikrofon eine besondere Rolle ein, es werden Geräusche wahrnehmbar gemacht, die dadurch in den Fokus rücken. 

Das Atmen ist laut zu hören. Aber auch die Aggression, die Schwierigkeiten, die Angst und die Wut. "When you are at a foreign place even the simple things like going to the post office can be intimating" ist zu hören. Diese Erfahrung des Fremdseins wird hier zum kulturverbindenden Element. Über verschiedene Projekte und Wege haben sie sich kennen gelernt; performativ verändern sie ihre Situation. Sie geniessen die Fülle, die ein Kollektiv mit sich bringt. Jede bringt sich ein, hat eine Idee, kann etwas vermitteln.

Ihre Bewegungen starten ganz sacht, fast unmerklich. Erst versteht keiner, dass es sich um eine Performance handelt. Ganz langsam werden die kleinen Bewegungen größer und die Formationen nehmen Gestalt an. So arbeiten sie auch mit temporären Orten und werden langsam vom Publikum bemerkt, was dann teils partizipiert, teils zuschaut. Menschen beginnen zu tanzen, die normalerweise nicht tanzen würden. Ungewöhnliche städtische Räume werden zu selbstverständlich erscheinenden Bühnen.

Im öffentlichen Raum wird diese Art der Bewegung nicht erwartet. Die raumgreifenden Formationen führen dann zu Irritationen und verändern die Wahrnehmung. Besonders hat sie auch der Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel interessiert. Die U-Bahn stellt eine typische Transitsituation dar. Sie ist ein Übergangsort zwischen öffentlichem und privaten Raum. Die Arbeit ist hier besonders gestisch, weil sie noch viel stärker miteinander arbeiten müssen und ihre Wahrnehmung aufeinander schärfen müssen als sonst.

"We really have to listen to each other" sagten die Performerinnen im Vortrag. Das Video zeigt eine Collage/ Montage der 7 U-Bahnperformances. Jede Performance war vollkommen unterschiedlich, weil sich U-Bahnlinien, Züge und Pesonen jeweils extrem unterscheiden. Südstern Collective hat die Gesten der Fahrgäste aufgegriffen und in ihre Bewegungs-abläufe integriert. Die Herausforderung war, mit der verschiedenen Aufmerksamkeit der Fahrgäste umzugehen. Der Motor entstand durch die Dynamik des Atmens.

In einem runden Kreis werden die Performances von allen Anwesenden diskutiert. Bewegung wird in Sprache übersetzt, Sprache wird in Bewegung übertragen. Die Idee von Fremdheit ist allen vertraut. "Jetzt bin ich eingezogen, jetzt ziehe ich wieder aus" bezeichnet das Leben an temporären Orten, wo ein Gefühl von Heimat diffus wird. Die Anwesenden konnten das gut nachvollziehen, da alle solche Lebenssituationen von sich selbst kennen.

 

 

 

27. Netzwerktreffen: Peggy Sylopp

 

Am 19.02.14 war Peggy Sylopp zu Gast - diesmal im alten Kesselhaus. Sie zählt zu den KünstlerInnen, die den Begriff "Multimedia" tatsächlich einlösen und darüber hinaus die politische Dimension der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Verquickung von technologischem Fortschritt und militärischen Motiven sehr ernst nehmen.

In den 90er Jahren beginnt sie als Tänzerin und Punkmusikerin,

arbeitet dann mit Fotografie, Film, Video und dem Computer. Nach einem Informatikstudium entwickelt sie mit Giovanni Longo audiovisuelle Performances ("Experience Art") in Anlehnung an abstrakte Filme der 20er Jahre. Ein Lichtkreis durchwandert das Farbspektrum und steuert dabei den Quintenzirkel im Klang. Schmelzende Eisblöcke werden illuminiert. ... Ein weiteres Beispiel ist die Performance "Schwebung": Bewegliche Diaprojektionen mit grafischen Rastern schaffen Interferenzen, 2D Räume treten in Interaktion mit dem 3D Raum. Interferenzen auch im Ton.

Transient Mainstream: Peggy Sylopp schreibt Bewegungs-verfolger, die eine Interaktion zwischen Projektion und Akteuren ermöglichen. Die Streifen verändern die Farbe und Form, gleichzeitig reagiert der Klang - eine Art virtuelle Harfe, die das vorbeilaufende Publikum zum Spielen verlockt. Weitere Arbeiten mit Tanz und Projektion basieren auf dem gleichen Grundprinzip. In der Arbeit KI steuert die Tänzerin mit Licht einen Stift, der ein abstraktes farbiges Bild entstehen lässt.  Wichtig ist der Künstlerin, daß in den Reaktionen immer ein gewisses Mass an Zufälligkeit erhalten bleibt.

Die Arbeit mit der Eigenwiligkeit der Bewegungen und der Technik, spielt bei "contact light improvisation" eine besondere Rolle. Hier erzeugt die Künstlerin mit zusätzlichen bewegten Kameras ein live-gesteuertes digitales Feedback. Anders, als beim anlogen Feedback, das fluide Schluchten in die Tiefe erzeugt und die Bildinhalte in Farben auflöst, erzeugt das digitale Feedback Fraktale und kalaidoskopartige Muster. Beide brauchen die "Zähmung" mit einem zwischengeschalteten Steuerelement, damit das Bild nicht unter der eigenen Potenzierung zusammenbricht.

Die aktuellen Projekte Peggy Sylopps drehen sich um den 1. Weltkrieg. Als Kriegsenkelin sucht sie nach den traumatischen Anteilen ihrer Familiengeschichte, über die in der Regel geschwiegen wird: was haben die Väter und Großväter in den Kriegen getan, wo und wie sind sie gefallen, verschollen. Das Suchen-und-Finden in öffentlichen Datenbanken, in Gefallenen-listen führt sie zur "Mauser 98", eines um 1898 entwickelten Repetiergewehrs, das bis Ende des 2. Weltkriegs produziert wurde, und das, wie kaum ein anderes Objekt, für das Soldat-Sein in den Weltkriegen steht.

Die Künstlerin baut im ersten Schritt ein 3D Modell der Waffe. Bei der genauen Analyse der Form und der Funktionsweise treffen die Faszination für die Technik und die kritische Auseinandersetzung auf einander. Die virtuelle Mauser soll zurück gebracht werden in die reale Welt mittels einer ganz neuen Technologie: des 3D-Drucks. Beim "Chaos Communi-cation Congress" verteilt Peggy Sylopp kleine blaue Kunststoffgewehre, die beim Publikum gemischte Gefühle erzeugen, aber Gesprächsanlässe sind.

In ihrem Vortrag geht Peggy Sylopp auf die Technik des 3D-Drucks ein. Die Steuerung des Druckers ist vergleichbar mit der einer Fräse, allerdings wird hier das Objekt in Schichten aufgebaut, dort wird Material abgetragen. Es können unterschiedliche Materialien verarbeitet werden, Kunsstoff,  Metall, Porzelan, Papier, Holzähnliches , Schokolade .... Man kann Anleitungen und Bausätze zum Eigenbau eines Druckers kaufen. Die Druckergebnisse sind noch sehr ernüchternd, wenn es um kleinteilige, komplizierte Formen geht.

Die Künstlerin hat den ersten Ausdruck ihres ausgearbeiteten Mauser-Modells mitgebracht. Das Projekt "1. Weltkrieg und Mauser 98" hat 2 weitere Teile, deren Ausführungen hoffentlich gelingen: Der Aufbau einer interaktiven 3D Plattform zum 1. Weltkrieg und eine Klanginstallation mit Schüssen der Mauser 98 auf dem Garnisonsfriedhof Berlin Mitte. Nach dem Vortrag wurde bei Wein, Keksen und Tomaten über die künstlerische Herangehensweise Peggy Sylopps, über 3D Druck und andere Themen weiter diskutiert.

 

 

 

 26. Netzwerktreffen: Helga Franz, Kunst und Wissenschaft


Am 15. Januar stellte die Künstlerin Helga Franz ihre Arbeiten vor. Sie legt den Schwerpunkt auf Zusammenhänge ihrer Kunstprojekte mit naturwissenschaftlichen Aspekten, dem Wechselspiel zwischen Versuchsanordnungen, Expeditionen und Gestaltung. Für die Künstlerin bedeutet Kunst, im Kontext zu stehen, über das eigene Selbst hinauszuwachsen und sich in der Welt (in Raum und Zeit) zu orten und zu verstehen. 

Mit Installationen aus Licht, Glas und Wasser fragt Helga Franz nach dem Einfluß des Lichtes auf das Erscheinungsbild von Räumen und Objekten, nach der Wahrnehmung, dem Raum - Licht - Mensch - Gefüge, wie kann Licht Raum und Zeit darstellen? Schalen mit kristallisierenden Flüssigkeiten, aufgehängt in einem leeren Raum, sammeln als Linsen das Tageslicht und schaffen ein sich wandelndes Zusammenspiel aus Flächen und Linien. Nicht nur Tageszeit, auch "Lebenszeit" wird durch die sich ändernde Brechungseigenschaft sichtbar.

Die Künstlerin hat komplexe Systeme gebaut, um natürliches oder künstliches Licht zu manipulieren, in differenzierte Spektren zu brechen, zu bündeln, zu streuen. Diese Installationen sind kinetisch, statisch oder homöostatisch. Um sich veränderndes Licht in luciden Formen sichtbar machen, baute sie Installationen, die ihre optischen Eigenschaften durch kristallisierende Flüssigkeiten im Verlauf von Tagen bis zu mehreren Jahren verändern.

Kunst und Architektur sind für Helga Franz eine besondere

Form des Kontextes - der urbane Lebensraum, in dem Menschen agieren. Sie zeigt drei realisierte Werke "im öffentlichen Raum", zwei in Berliner Schulen: In der einen reflektieren große Ronden aus Glas und Stahl, jede mit eigener Farbe, Sonnenlicht in das Gebäude, werfen farbige Schatten. In der andern sind Oberlichter installiert, die chiffreartige Zeichnungen der fünf Sinne tragen. Das dritte Objekt ist ein Brunnen im Lichthof des alten Stadtbades Neukölln.

Über den städtschen Raum hinaus beschäftigt sich Helga Franz

mit Landschaften, mit der Erdzeit, mit Blickrichtungen aus der Luft, aus dem Weltraum. Als Pilotin und Fotografin erfasst sie Bilder geologisch extremer Landschaften. Mit  Aufnahmen von Namibia, einer der ältesten Erdregionen, und Island, geologisch sehr jung, erläutert sie unterschiedliche Aufnahmemethoden und Bearbeitungen. Z.B. simuliert sie Stereo-Bilder mit zeitlich versetzten Erfassungen aus Serienaufnahmen. Wo ihr körperliche Grenzen gesetzt sind, greift sie zu Satellitenfotos.

In Rotations-Experimenten untersucht Helga Franz seit Jahren die Reaktionen von Pflanzen auf veränderte Gravitations-

parameter. Im Rahmen der Ausstellung "Leben Forschen" beobachtet sie zwei Heuschrecken-Populationen, die, anfangs getrennt, Zugang zueinander erhalten. Ausgehend von 3D-Scans realer Tierpräparate kontrastiert die Installation 'Wasserleben' 3D-Animationen mit präparierten Körpern. Die Tiere werden in der Animation nicht zum Leben erweckt, eine Illusion von Leben entsteht in der Imagination der Betrachter.

Auch philosophische und spirituelle Fragen beschäftigen die Künstlerin. Was bedeuten Erinnern und Vergessen in

menschlichen Begegnungen? Wie verändern sich die persönliche, geologische und gesellschaftliche Zeit? 'Wahrnehmungsversuch' ist ein fotografisches Projekt: analoge Portraitaufnahmen ihrer Familienmitglieder bearbeitet sie fast 20 Jahre später digital mit mathematischen Parametern bis zur Unkenntlichkeit. Wo fängt Erkennen an, wo hört es auf? 

 

Am Schluss gab es noch die Gelegenheit für Austausch bei Tomaten und Getränken.

 

 

 

25. Netzwerktreffen: Forschungs-Sozietät – Grenzraum von Kunst und Naturwissenschaft

 

Am 11. Dezember stellten Martin Schöne (MBA, Dipl. Art Film, Master Klangkunst) und Christine Haase (Sonderschul-Pädagogin, Kunstpädagogin) von Well…come 21 - Grenzraum von Kunst und Naturwissenschaft e.V.  ihre Forschungen und Arbeiten vor. Der Grenzraum wird dabei nicht als eine unüberwindbare Trennung zwischen den beiden Disziplinen

verstanden, sondern als die Schnittmenge zwischen Kunst und Naturwissenschaften definiert, in deren Zentrum die Form , das Muster liegt. Während in den Naturwissenschaften die vorherrschende Meinung gilt, dass die Form an sich keine Bedeutung hat und Form der Materie folgt, setzt sich Well…come 21 für eine Erweiterung des Kunst- und des Formbegriffs ein. Schöne und Haase betrachten die Form als das ordnungsbildende Element, das der Materie folgt. Während viele Künstler den ihnen von den Naturwissenschaften

zugewiesenen Platz als selbstverständlich verstehen, will Well….come 21 die seit der Renaissance herrschende Aufspaltung zwischen Kunst und Wissenschaft aufweichen. Kunst ist immer auch Forschung, eine auf die Form gerichtete Forschung, – unabhängig davon inwieweit das dem Künstler bewusst ist. Form umfasst dabei bildhafte Formen, Klangformen, Form aus Körper, Bewegung, Ausdruck. Kulturelle Formen, auch Text, Modell und Theorie. Well…come 21 begründet sich so von Beginn an auf die Beschreibung 

beobachtbarer Phänomene. Neue Formen für das Bewusstsein zu finden und andere Zugänge schaffen, wurde zur Dekade-füllenden Forschung.

2004 entwickelte Martin Schöne ein neues bildgebendes Verfahren, das Gehirnaktivität sichtbar macht: den Brain-Avatar. Dabei werden die Mittels eines EEG gemessenen Gehirnströme eines Probanden verstärkt und unverändert in ein analoges Medium, nämlich Wasser, übertragen. Die live auf der Wasseroberfläche entstehenden Wellenbewegungen bilden

den Prozess der Gehirnaktivität in seiner fortlaufenden Veränderung ab - Bewusstes und Unbewusstes wird gleichzeitig sichtbar. Während herkömmliche bildgebende Verfahren 90-95 % der Daten weg filtern, um zu einem Ergebnis zu kommen, geschieht dies beim Brain-Avatar ungefiltert. Es wird auf die Digitalisierung der Daten verzichtet und es gibt keine Eingriffe durch Aussenstehende, die einer bestimmten Frequenz willkürlich eine bestimmte Farbe oder Form zuordnen und die Interpretation der Ergebnisse somit beeinflussen können. Der

Brain-Avatar ist frei von Vorgaben in der Darstellung und ergibt sich rein aus der individuellen Messung.

Nach einer intensiven Forschungsphase von 2009-2012 sind die Ergebnisse wissenschaftlich validiert und technische Weiter-entwicklungen ermöglichen präzise und vergleichbare Bilder.

Die Resultate sind beeindruckend und die Wellenbewegungen auf dem Wasser sprechen eine Sprache, die auch Laien, die noch nie vorher einen Brain-Avatar gesehen haben, interpretieren können. Anhand der Muster auf der Wasseroberfläche kann man deutlich erkennen, ob sich ein Proband in einer entspannten angenehmen Situation oder im Stress befindet. Der Proband kann den Modulationen der Muster seines Avatares zuschauen und einigen, z.B. in Meditation geübten Menschen gelingt es sogar, ihren eigenen Avatar zu beeinflussen und zu formen. Interessant ist auch die Tatsache, dass sich in den Wellenbewegungen des Avatares universelle Muster und Formen widerspiegeln, die weltweit von Kindern gleichen Entwicklungsstandes gezeichnet werden, wie z.B. Kritzeln, Kopffüssler und später Linien, Kreuze und geometrische Formen. Das Gehirn und seine Muster sind individuell, aber gibt es vergleichbare Zustände, z.B. bei bestimmten Meditationsformen in denen Mandala-ähnliche Strukturen entstehen. 

 

Martin Schöne  und Christine Haase  verarbeiten die Ergebnisse ihrer Forschung einerseits in künstlerischen Installationen und Performances, wie die Rauminstallation "Neuro-Portrait" in der zur Zeit in Lingen laufenden Ausstellung "Das Muster, das verbindet", andererseits nutzen sie den Brain-Avatar auch intensiv zur Arbeit mit und Kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen, wie dem jüngst gestarteten Workshopprogramm  reflect - aesthetische Praxis (http://www.re-flect.me/). Well...come 21 ist eine gemeinnützige Forschungs-Sozietät, die offen ist für andere Forscher/Künstler. (http://www.wellcome21.de)

 

 

24. Netzwerktreffen: Institut für Raumforschung

 

Am 13.11.2013 präsentierte Nadia Milenkovic die Arbeit des Künstlerduos NASE Milenkovic & Seitz. Mit dem Kunstprojekt "Institut für Raumforschung", einer offenen interdisziplinären Plattform, deren Ziel es ist, verschiedene Fachrichtungen wie z.B. Soziologie, Architektur und Kunst partizipatorisch zu ver-

knüpfen und einen übergreifenden Dialog anzustoßen, untersuchen und erforschen die Künstler Raum in temporären Projekten. Allen vorgestellten Projekten liegt eine gemeinsame Arbeitsweise zugrunde: gesteuerte Highpower LEDs hinterleuchten abwechselnd die Zeichnungen von Nadia Milenkovic und projizieren sie an unterschiedliche Stellen an den Wänden.

Immer wieder neue Kombinationen und Szenen entfalten sich wie Fresken im ganzen Raum. Durch die Choreographie des Lichtes entsteht, ähnlich wie im Film, eine ganz eigene Form von animierter Collage. Im Rahmen von 48h von Neukölln wurden Milenkovic und Seitz 2011 eingeladen das seit 20 Jahren geschlossene Jugendgefängnis, im Volksmund Café Schönstedt, im Herzen Neuköllns zu bespielen. Insgesamt 40 Künstler nahmen sich dieses Ortes, seiner Geschichte und seiner Gestaltung in ihren Arbeiten an und zeigten diese in der besonderen Atmosphäre der Gefängniszellen und des

Innenhofes. In anderen Ausstellungsprojekten setzen sich Milenkovic und Seitz gezielt mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander:

In „Alien You“, einer Installation im früheren Kegelkeller der Neuköllner Oper 2011, befassen sich NASE mit der Fragestellung: Bist Du sicher, dass Du dazugehörst? Was machst Du hier? Glaubst Du das Richtige? Ausgehend von diesen Fragen beginnt die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ihrer serbischen Familie vor dem Hintergrund aktueller Debatten. 

Gesellschaftliche Verhältnisse und deren Muster ergeben sich aus der Tatsache, dass jede Erfahrung das Resultat einer Interaktion zwischen dem Subjekt und seiner Umgebung ist. Der Raum ist zugleich Gegenstand von Erfahrung, wie auch Spiegel der Aktionen der mit ihm verknüpften Subjekte.

Auch die zweifarbige Lichtinstallation „fortleben“ mit projizierter Malerei in der ehemaligen Ehrenhalle, „dem Tempel des Vaterlandes“ aus der NS-Zeit auf dem Gelände des Kriegsgräberfriedhofes Lilienthalstrasse (2013), befasst sich exemplarisch mit den Leben und Taten der eigenen Großeltern.

Denn nicht einzelne, verrückte Monster begangen die uns allen bekannten Taten menschlicher Grausamkeit, sondern ein ganzes Volk und somit auch die eigenen Großeltern leisteten ihren Beitrag. Hinterher führten sie ein ganz normales Leben als Pastor, als Eltern von vier Kindern, im Rahmen einer sozialen Gemeinschaft, niemals zur Verantwortung gezogen, niemals über das geredet, was damals geschah.

Im Anschluss an den Vortrag gab es die Möglichkeit zum Gespräch mit den KünstlerInnen und es entbrannte eine spannende Diskussion um die Fragestellung wie und ob eine Installation an einem anderen Ort transferiert wirken würde.

 

 

23. Netzwerktreffen 16.10.13: Kim Dotty Hachmann

 

Kim Dotty Hachmann beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit Fragen, die um das Themenfeld Familie kreisen. Dabei interessiert sie sowohl die Diskussion in der aktuellen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung zum Thema Familie, als auch ihre Emotionen und Gefühle, die auf eigener Erfahrung im Umgang mit Familie beruhen. Folglich greift Kim Dotty Hachmann öffentliche Diskussionen zu Schlagwörtern wie

Erziehung, Pisa-Studie, Patchwork-Familie, Kita-Betreuung genauso auf, wie persönliche Fragestellungen, die sich im Umfeld der eigenen Familie entwickeln.

Hachmann, die 2001 ihr Examen in Freier Kunst und Visueller Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel absolvierte, war anfangs eher an Piktogrammen und Animationen interessiert, doch mit dem einschneidenden Erlebnis der ersten Schwangerschaft, kam es auch in ihrer künstlerischen Arbeit zu

einem Bruch: sie begann, sich selbst vor die Kamera zu stellen und verarbeitete in diesen ersten Videos sehr persönliche Erlebnisse und Gefühle. Da Hachmann auch nach der Geburt ihrer zwei Kinder künstlerisch sehr aktiv ist, musste sie sich mit geänderten - jetzt spielerischen-  Produktionsbedingungen, also der Arbeit am Set und im Studio im Beisein der Kinder auseinandersetzen wie sie am Beispiel der 3-Kanal-Video-installation "Rituality", 2008-2009, erklärt. Sie löste diese

Herausforderung indem sie zu dieser Zeit hauptsächlich Arbeiten von sich selbst und ihrer Familie schafft. Die Kinder sind dabei nicht nur Protagonisten der erzählten Geschichten. Hachmann erhält viel inhaltlichen Input von ihnen und befindet sich im aktiven Austausch mit den Kindern. Sie lernt von ihnen, wird zum Mitspielen aufgefordert und beginnt auch immer stärker sich mit der eigenen Vergangenheit und der Familiengeschichte

auseinanderzusetzen, wie z.B. in dem Video Circle of Life. Um so älter die Kinder werden, um so stärker verquickt sich die Kunst mit den Kindern und die Kinder werden immer mehr einbezogen. Im Kurzfilm Neo aus dem Jahr 2010/11, in dem Hachmanns Sohn die Hauptrolle spielt, geht es um Manipulation von Kindern durch ihre Eltern und um die Wünsche, die Eltern auf ihre Kinder projizieren. 

Der Kurzfilm Fiesta (2013), der bei der Präsentation in der Wiener

Kunstzelle für einigen Gesprächsstoff sorgte, ist der Schönheit des Familienlebens gewidmet und befasst sich mit dem Thema Nackte Natürlichkeit.

 

Mit der Arbeit "Selfportrait in Taipei" setzt sich die Künstlerin mit einer Konstante ihrer Biographie auseinander: mit ihrer für eine Frau ungewöhnlichen Körpergröße und den täglichen Kommentaren dazu.

In neueren Filmen und Videos arbeitet Hachmann in Kooperation mit anderen Frauen Hollywood-Stereotypen und Klischees auf, wie sie am Beispiel des Westerns Birdie zeigt.

 

Nach dem Vortrag gab es die Gelegenheit bei Snacks, Tomaten und Wein der Künstlerin Fragen zu stellen und sich untereinander auszutauschen.

 

 

 

 

 

22. Netzwerktreffen: Regina Franken-Wendelstorf von der HTW

 

Am 4.9. sehen wir einen Ausschnitt der HTW-Projekte. Die INKA-Forschungsgruppe arbeitet an der Verknüpfung technischer Inhalte und Kultur. In dem interdisziplinären Team arbeiten Informatiker, Sozialwissenschaftler, Designer, Pädagogen und Künstler zusammen. Entscheidend ist der Perspektivwechsel.

Die Themen sind drahtlose Kommunikation/ Mobile Computing,

Multimedia-Anwendungen, E-Learning, Museum- und Stadtinformationssysteme sowie Technologietransfer.

Für das jüddische Museum wurde die erste multimediale Anwendung entwickelt. Das Ziel war, einen Anreiz zu schaffen, um sich interaktiv mit den Objekten zu befassen. Die Ausstellung "On tour" ging in Schulen, musste also beweglich gebaut sein. Entstanden ist das oben gezeigte Schulhofprojekt mit ipads, die bei den Kindern und Jugendlichen auf grosses Interesse stiessen.

Für das Schulprojekt wurden zusammen mit Schülern digitale Tagebücher entwickelt. Das Erzählen von Geschichten wird in Verbindung mit Kunst und Design immer wichtiger. Das Konzept des Digital Storytellings wurde auch für die Installation auf dem Bebelplatz "Ein Ort zum Lesen" eingesetzt. Es wurden Autoren vorgestellt, deren Bücher am 10. Mai verbrannt wurden. Dabei ging es um die Geschichte des Buches, die auf den ipads dargestellt war. Diese befanden sich in den Stühlen und luden

zum Verweilen ein. Das Projekt Hard Mut II stellt Hardware und Multimediatechnik zur Entwicklung eines mobilen Museums bereit. Alle Projekte werden mit Forschungsgeldern der EU finanziert. Bei dem Kopftuch-Projekt wird dem Betrachter über ein spezielles Tracking System eine entsprechende Kopfbedeckung aufgesetzt. Dieses Projekt hat als Anwendung auf dem ipad nicht funktioniert. Es ist wichtig, das richtige Medium für den richtigen Inhalt zu finden.

Der Löffel - kulturhistorisch gesehen das erste Eß-Instrument - wurde als Eintrittskarte für eine Ausstellung zu koscherem Essen eingesetzt. Er steht für eine Internetseite zur Vertiefung der Ausstellung. Über eine Nummer können auf der Webseite Rezepte abgerufen werden, was ca. 85 Ausstellungsbesucher genutzt haben. Mediale Kunstvermittlung sollte etwas sein, wo ich was mitnehmen kann um den Ausstellungsbesuch im Anschluß zu vertiefen.

Für die Fashionweek wurde ein interaktver Kleiderständer entwickelt. Auf dem ipad wurde die Geschichte der Second-handteile des Kleidungsstücks erklärt wie z.B. "Diese Hose war mal ein Pullover." Eine weitere Kunstaktion war die Initiative des Theaters an der Parkaue, die Winterakademie "Sagen wir wir sind das Netz". Es ging um Ängste, Wünsche und Träume. In dem Schülerprojekt haben Kinder ihr eigenes Theaterstück entwickelt mit "denkenden" Objekten.

Im Rahmen einer Blindeninitiative wurde auf Basis von Open Source eine App für blinde Kinder entwickelt sodass sie das Klassenzimmer finden können. Das Forschungs- und Weiter-bildungszentrum für Kultur und Informatik FKI sucht Projekt-initiativen, die mit ihnen gemeinsam ihre Ideen umsetzen wollen, also Menschen mit Ideen. Gerade hat die Kooperation mit der Medienwerkstatt begonnen. In einem ersten Pilotprojekt werden Arbeiten aus der Medienwerkstatt vom 15. bis 20. Oktober 2013 auf der Medienfassade der HTW jeweils um 19 Uhr gezeigt.

 

 

 

 

21. Netzwerktreffen: Raumforschung mit Jula Kim Sieber

 

Unser Gast am 7.8.2013 war die Raumexpertin Jula Kim Sieber, die aus Darmstadt angereist kam.
Dieses Netzwerktreffen fand zum ersten Mal im Kesselhaus statt.

 

Jula Kim Sieber beschäftigt sich mit unfassbarer Kommunikation und fassbarer Architektur. Dabei interessieren sie Räume, virtuelle und reale Räume.

Die Emotionen in den Räumen sind für sie das Entscheidende. Was macht der Raum mit mir? Wie fühle ich mich in dem Raum? Welche Räume machen einen selbstbewusst? Im Rahmen der künstlerischen Forschung hat sie Wissensdörfer entwickelt. Die Darstellung von Kommunikation ist ein Modell, das sich dann in der Architektur niederschlägt. So gibt es z.B. in ihrem Projekt RadioFavela "The Sound of Rio" eine Analyse wie Städtebau durch Musik gemacht wird und einen Vorschlag mit einem Radio-
ProduktionsZentrum, der Architektur, die Kommunikation in

der Stadt Rio de Janeiro zu beflügeln. Mit künstlerischen Mitteln wird der Raum in der Stadt gestaltet. Die punktuelle Stimulation in der Architektur (analog zu Akupunktur) wie z.B. die Neugestaltung einer Fassade kann große Veränderungen bewirken. Das Internet fasziniert als Kommunikationsmedium. Es ist einfacher, aufeinander zuzugehen um Projekte zu machen. Darin liegt ein riesiges Potenzial, die globale Kommunikation ist schnell und unkompliziert. Jula Kim Sieber hat eine Schule in Mali gebaut über das Internet.

Die Baupläne konnten vom Tuaregstamm nicht verstanden werden. So wurde ein Modell gebaut, abfotografiert und dann in Mali nachgebaut.Doch anscheinend ist der Maßstab durch das Modell nicht klar geworden und die Schule wurde zu klein gebaut, Tische und Stühle haben nicht mehr reingepast. Nicht nur die Architektur wurde enthierarchisiert sondern auch die gesamte Lernsituation. Die Anforderung war, dass 683 Kinder unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem Wissensstand gleichzeitig unterrichtet werden müssen.

 

Dafür wurden einige "Mobile Devices für die Wüste" gebaut. Ein Objekt, das gleichzeitig als Sitzkissen, Schreibunterlage und als Surfbrett diente, um die Dünen runter zu surfen. Die Lernfreude der Kinder stieg enorm an. Die Skarabäus-Schule wurde für die Völkerverständigung in der Verbindung von traditionellen Bauweisen der Tuareg und der Mali ausgezeichnet. Immer wieder betonte Jula-Kim Sieber, wie einfach ein solches Projekt ist, der Kern sei "simply connect".

 

Zu den Projekten, die ihr am Herzen liegen, gehört die Sommerakademie "PoolPlay", ein internationales Forschungs-projekt in San Candido, Italien. Musik, Tanz und Architektur werden in eine abstrakte Ebene übersetzt und miteinander vernetzt. Jula-Kim Sieber möchte Räume entwickeln, die zu entdecken sind, die sich aneignen lassen, in denen alle sich wohlfühlen und nicht eingeengt werden. Die Räume sollen sich nach den Menschen richten: "don't space your moves, but move your space". In dem Projekt "WorldWideBlanket" geht es um

einen künstlerischen Katalog zu „nachhaltig leben“ auf Bettlaken. In 2015 parallel zur Jahreskonferenz des Rats der nachhaltigen Entwicklung werden alle Bettlaken dann zusammengenäht. Auf ein leeres Bettlaken wird gezeichnet und gemalt, was einem zur Nachhaltigkeit einfällt: www.Anleitung.WorldWideBlanket. de. Alle können mitmachen. Jula-Kim Sieber breitete nach ihrem Vortrag ein Bettlaken aus, wo alle ihre Überlegungen zur Nachhaltigkeit darstellen konnten. Zum Schluss gab es noch einige Gespräche bei Cidre, Tomaten und Chips.

 

 

 

Zwanzigstes Netzwerktreffen: Urheberrechtsquiz

 

Unser Gast am 10.7.2013 war die Wuppertaler Rechtsanwältin Astrid Christofori. Sie hat ein Urheberrechtsquiz entwickelt.

Anfangs schien die Aufgabe leicht: 11 auf einanderfolgende Fragen zum Urheberrecht sollten mittels roter und grüner Karten mit "Ja", "Nein" oder "Jein" beantwortet werden. Einzelne Begründungen wurden dann zur Diskussion gestellt. Wir kamen

bis Frage 3. Schon die erste Frage löste eine Fülle weiterer Fragen aus zum Persönlichkeitsrecht auf das eigene Bild - oder das Bild des eigenen Kindes, zu den Regeln für Dokumentationen öffentlichen Veranstaltungen bis hin zu den Definitionen einer "öffentlichen Veranstaltung" oder dem "öffentlichen Raum". 

Astrid Christofori betonte aber, dass gerade dieses eigene Hineindenken und Nachfragen der beste Weg ist, sich der sehr komplexen Thematik zu nähern. So entwickelte sich aus dem

Quiz schnell eine Diskussion über eine große Bandbreite von Fragestellungen zu Bereichen, in denen KünstlerInnen mit urheberrechtlichen Fragen konfrontiert sind. Neben Persönlich-keits- und Verwertungsrecht, Foto und Film im öffentlichen Raum ging es auch um Zitate und Verfremdungen und inwiefern sie den Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Material gestatten oder auch nicht. Aus einer künstlerischen Perspektive wurde auf die Notwendigkeit von Rechten und Freiheiten beim Schaffen

neuer Werke und in Auseinandersetzung mit bestehendem Material verwiesen. Künstler gehen in ihrer Arbeit an diesen Stellen oft Risiken ein, daher ist es wichtig, dass sie wissen, was rechtlich auf sie zukommen kann. Gleichzeitig sollten sie sich aber von diesem Wissen nicht lähmen lassen. Es stellte sich heraus, dass alle Anwesenden vielfältige Begegnungen mit Fragen des Urheberrechts gehabt hatten und dass die Auseinandersetzung mit diesen Fragen viele zentrale Punkte der eigenen Arbeit

berührte. Astrid Christofori stellte beispielhafte Gerichtsurteile vor und erläuterte wie im Falle eines Rechteverstosses vorgegangen wird. Sie zeigte auf, wie wichtig es ist, bestimmte Sachverhalte beweisen zu können. Daher empfahl sie sich nach Möglichkeit schriftliche Einverständnisse zu holen. Auch erläuterte sie die gängige Rechtspraxis und erklärte wie verschiedene Gerichte an verschiedenen Orten unterschiedlich entscheiden. In ihrem Blog "Urheberrechtscafé" hat sie einige Quizfragen näher ausgeführt.

Angesprochen wurden auch Fragen nach schriftlichen Verträgen und Verantwortungsverteilung bei Auftragsarbeiten, Creative Commons Urheberrechtslizenzen, Hausrecht und Honorar-verträgen. Die Diskussion zeigte deutlich: das Feld ist sehr kompliziert und keinesfalls eindeutig. So erbt beispielsweise eine Erbengemeinschaft auch das Urheberrecht, welches eine Schiutzdauer von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers hat. Besonders schwierig wird es wenn es um web 2.0 geht. Dazu

 

hat Astrid Christofori ein Socialmedia-Tagebuch erstellt, wo sie ihre Anmerkungen festhält und Fragen zu verschiedenen web 2.0 Werkzeugen stellt.

Nach dem Vortrag im Greenscreen-Studio wurde die Diskussion ausgiebig noch in Kleingruppen bei Snacks und Getränken fortgesetzt. Es konnten längst nicht alle Fragen beantwortet werden, statt dessen wurde eher deutlich, wie viele Fragen noch zu stellen und zu klären wären.

 

 

 

 

Neunzehntes Netzwerktreffen: AUGEN ZEUGE KUNST

 

Am 12.6.2013 stellte Anna-Maria Weber ihr Unternehmen AUGEZEUGEKUNST vor. Sie erklärte detailliert ihren Werdegang. Nach dem Studium der Malerei und der Gründung einer Ateliergemeinschaft startete sie die Galerie "Kondensstreifen" mit wechselnden temporären Ausstellungen. Darüber eigenete sie sich kunstwissenschaftliches Knowhow an, was schliesslich dazu

führte, dass sie sich für ein Magisterstudium an der Humboldtuni entschied. Nach Vorlesungen bei Horst Bredekamp belegte sie das Doppelseminar "Dokumentarfilm" bei Christina von Braun. Dort beschäftigte sie sich mt Kamera, Licht, Ton und Schnitt. Sie lernte, mit Interviewsituationen umzugehen. Ihr visuell geschultes Auge entdeckte die Malerei eines gut gewählten Kameraauschnittes. In diesem Rahmen entstand der erse Film "Vorsicht StuVe" über die Humboldtuni selbst.

In dem Film wurde sowohl Archivmaterial als auch Interviewmaterial verwendet. Das Team hat sehr gut zusammen gearbeitet. Das Projekt begeisterte sie derart, dass sie sich nach dem Studium entschied, dem Ganzen einen professionellen Rahmen zu geben. Sie wandte sich mit ihrer Idee ans Jobcenter und erhielt die Weiterbildung bei cimdata mit dem Bildungsgutschein. Sie beteiligte sich am Businessplanwettbewerb und erstellte ein ausführliches Konzept wie sie sich ihre Gründung

vorstellte. Beim Businessplanwettbewerb gefiel ihr das detaillierte Feedback von Profis. Durch das zur Verfügung gestellte Knowhow konnte sie einiges optimieren. Außerdem nahm sie ein Gründercoaching wahr, was sie in dieser Phase sehr unterstützt hat. Bald schon entstand ihr Pilotfilm "Bandprobe", einer filmischen Dokumentation zum Thema künstlerischer Gemeinschaftsarbeiten, wozu es auch eine Podiumsdiskussion gab. Anna-Maria Weber arbeitete hier mit ihrer Fotokamera und

setzte Fotos in Bewegung. In den weiteren Filmbeispielen verwendet sie eine dann neue  Kamera, mit welcher die Bewegung eingefangen wurde, die Sony HDV AI. Die Arbeit "Neuköllner Sozialparkett" von Barbara Chaveng besteht aus verschieden farbenen Parkettstücken, die zusammen ein Bild in ungewohnter Garbigkeit erzeugen. Anna-Maria Weber gelingt es, die Farbigkeit i ihrer Raumfülle durch eine klare räumliche Ausrichtung mit der kamera einzufangen. Das Video wird selbst

zum Kunstwerk. Das nächste Projekt, die Dokumentation der Performance "Kontinuum" von Jaroslaw Koslowski wurde mit zwei Kameras aufgenommen, eine bewegte und eine feste. Das Ziel war, die Performance komplett zu zeigen, was nicht ganz einfach war. Die Spannung, welche durch das anwesende Publikum aufgebaut wurde sowie durch den ungewöhnlichen Einsatz eines gewöhnlichen Objektes (der Schultafel) entstand wurde gut eingefangen und konnte im Video vermittelt werden.

 Die nächste Arbeit entstand zunächst als eigenes Projekt über das Künstlergut Prösitz. Dort erhalten Künstlerinen mit Kindern Stipendium, um in ruhe ihrer Arbeit nachgehen zu können. Die Kinder werden betreut sodass die Künstlerinnen sich auf ihre Arbeit konzentrieren können. Anna-Maria Weber zeigte zwei Ausschnitte, wo die jeweiligen Künstlerinnen ihre Arbeit vorstellen und ihren künstlerischen Prozess erläutern. Im Anschluss gab es - wie immer - Getränke, Chips, Kekse und Tomaten.

 

 

 

 

Achtzehntes Netzwerktreffen: Manfred Miersch

 

Am 15.5.2013 zeigte Manfred Miersch Ausschnitte aus seiner künstlerischen Arbeit der letzten 30 Jahre. Er sprach anhand ausgewählter eigener Kunstwerke über Vorstellungen zur Gegenstandswelt zwischen Aktionskunst, Concept-Art, Objektkunst, Klangkonstruktion und Lichtmusik.

Schon in den 80er Jahren beschäftigte sich MM mit der Frage

der Wahrnehmung und Bedeutung von Objekten zwischen praktischer und ästhetischer Funktion. Drei Jahre lang suchte er in zahlreichen "Dekompositions"-Performances unter dem Namen "Thomas & MM"  neue Wege der Aktionskunst. Angetrieben war er von der Frage: was passiert mit den alltäglichen Gegenständen, die in den Performances verwendet werden? Welche Wertigkeit haben sie? Handelt es sich um Abfall, Relikte oder gar Kunstobjekte, die es würdig sind,

ausgestellt zu werden? In der Folgezeit erweiterte MM diese Fragestellung und konstruierte Objekt mit unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten, wie z.B. die Transportable Baustellenumgrenzung, die variabel auf- und abgebaut werden kann. Er untersuchte in einer 2. Werkgruppe die Lagerung und Präsentation von Dingen. Eine im Zusammenhang mit pseudowissenschaftlichen Klassifikationssystemen entstandene raumfüllende Installation zeigte er im Rahmenprogramm

der documenta 9. An der Grenze zur Immaterialität schuf MM 1995 das Internetprojekt "Fahrenheit 451", in dem er behauptete, allgemein bekannte Bücher zu bestimmten Aspekten der Kunst würden nicht existieren, und den Besucher der website aufforderte, diese Bücher neu zu schreiben. Es entstand eine umfangreiche Sammlung von Texten, darunter auch ernstgemeinte Beiträge, die jedoch aufgrund von Urheberrechtsfragen nicht veröffentlicht werden konnten.

Manfred Mierschs Prozess der Loslösung vom konventionellen Objekt und auch vom konventionellen Ausstellungsbetrieb mündete 1998 in einer Videoinstallation in einem Raum, in dem noch die Überreste einer Ausstellungseröffnung zu erkennen waren und in dem MM auf mehreren Monitoren Videos von Vernissagen zeigte.
Eine zufällige Beobachtung ließ MM zum Objekt zurückkehren - zunächst in virtueller Form. Er erschuf künstliche Räume und

Tempelanlagen mit dem Programm Cinema 4D, das dem Betrachter ermöglicht diese virtuellen Räume zu betreten und aus ihnen heraus in die Leere zu blicken - dieser Blick faszinierte ihn. Dann materiell mit einer letzten Werkgruppe, in der er die virtuellen Modelle nachbaute und eigene Arbeiten abmalte und -zeichnete. In Anknüpfung an die frühere Performancetätigkeit beschäftigt sich Miersch heute intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Bild und Klang und mit Lichtmusik.

Bei einer analogen Klangvisualisierung im Mies van der Rohe Haus im Jahr 2008 verwendete er Synthesizerequipment und Oszilloskope um lineare Strukturen aus live erzeugten Tönen mittels projizierter Oszilloskopstrahlen auf die Wand zu zeichnen. Zum Ende seines Vortrages untersuchte Miersch in einem Live-Experiment die Frage, ob es möglich ist, daß ein Objekt - eine Tomate - durch sein eigenes inneres Sein in der Lage ist sein Bild zu verändern. Die dazu benutzten Tomaten wurden mittels Elektroden an den Videoprozessor angeschlossen.

 

 

 

Siebzehntes Netzwerktreffen: Sandra Becker

 

Am 17.4.2013 zeigte sandra becker 01 Arbeitsausschnitte der letzten zehn Jahre.
Ihre Erfahrungen und autobiografischen Themen fliessen in ihren Schaffensprozess teils auf unmittelbare Weise mit ein. Nach einem schweren Schicksalsschlag schienen ihr zunächst jegliche Bilder abhanden gekommen zu sein. Sie begann zu schreiben.

Aus den Textfragmenten entstand das Video "Bruchstelle", das sie u.a. in der Otto-Nagel-Galerie präsentierte. In dem Projekt "Edit" ging sie der Frage nach, inwiefern eine individuelle Erfahrung für ein grösseres Publikum in Form eines Romans geeignet ist. Diese Arbeit zeigte sie auf dem Artist Talk Blogart/Blog_umentary auf der Alt Cph Kunstmesse Kopenhagen. Sie übersetzt in ihren Arbeiten scheinbar Alltägliches in ein visuelles Vokabular.

Autobiografische Fragen haben auch zu dem Dokumentarfilm "Lift01" geführt, aus dem sie eins der zwölf Interviews mit der Berliner Künstlerin Niki Elbe zeigte. In dem 2006 entstandenen Dokumatarfilm "Lift01" kommen Frauen zu Wort, die in Berlin-Mitte leben und/oder arbeiten und die nach der Geburt ihrer Kinder in die Arbeitswelt zurückkehren. Berufsrückkehrerinnen sind hoch qualifizierte Frauen. Sie können eine doppelte Erfahrung vorweisen: als Berufstätige und als

Mütter. Gerade die Kombination von beidem gleicht einem Motor, einer Beschleunigung, die wie ein Lift wirkt, mit unbekannten Stopps auf unterschiedlichen Ebenen. Von den Frauen wird ein hohes Maß an Planung und Flexibilität, an Konzentration und Zielstrebigkeit sowie an Verantwortung und Disziplin gefordert. Sie werden zwangsläufig zu Expertinnen und Künstlerinnen des Alltags. Auf einen - mittlerweile eingestellten - Forschungsbereich des Fraunhofer Instituts bezieht sich die Arbeit "Marilyn".

Marylin - Multimodal Avatar Responsive Live Newscaster - sollte als neue Anwendung für interaktives Fernsehen dem Nutzer als Lotse durch den Informationsdschungel dienen. Die plastisch wirkende Moderatorin liest dem Zuschauer Informationen vor, die er über die Fernbedienung auswählt. Mit einem Tastendruck würde er von der virtuellen TV-Moderatorin so beispielsweise über aktuelle Börsennachrichten informiert und erhält eine unterhaltsame Darstellung der gewünschten Inhalte. Die Arbeit

"Marilyn", ein Lichtkasten mit Audioloop, wurde auf Messen vorgestellt (Messe für Kunst u. Theorie thealit sowie Cebit 2008). 

Als Kuratorin der Ausstellung "Totalism - Inside or Outside Total" in der Galerie neurotitan 2006 hat Sandra Becker Arbeiten zusammen getragen, die sich mit totalitären Strukturen in unserem Alltag befassen. Acht zeitgenössische Künstler/Innen befragten während des Berliner Kunstherbstes 2006 die aktuelle  Situation in der Bundesrepublik Deutschland nach totalitären

Tendenzen. Dabei ging es weniger um die politischen Systeme als um die Beobachtung, dass sich derzeit auch auf Ebenen des öffentlichen und privaten Lebens immer stärker Strukturen etablieren, die totalitäre Züge aufweisen.

 

Die von ihr gegründete Künstlerinnengruppe "netzwerkvirus" hat mediale Arbeiten präsentiert, die sich mit Fragen der digitalen Kommunikationskultur befassen.

 

 

 

 

Sechszehntes Netzwerktreffen: Ottjörg A.C.

 

Am 14.03.2013 präsentierte der Künstler Ottjörg A.C. zwei Teile seines Projektes Manuskript Globally Unskripted: Deskxistence und Unurban Faces. Charakteristisch für die Kunst von Ottjörg A.C. ist die Idee, globale konzeptuelle Projekte lokal umzusetzen. Die menschlichen Begegnungen sind für ihn genauso unverzichtbar wie das handwerkliche Detail.

Zu seinen Arbeitsmitteln gehören das Internet ebenso wie die reale Bewegung im Raum, der Stift und der Fotoapparat ebenso wie die Tiefdruckpresse.

Das mittlerweile abgeschlossene Projekt Deskxistence fand zwischen 2007 und 2011 statt. Die zu Grunde liegende Idee dabei war, Schultische als Druckplatten für eine Tiefdruckpresse zu benutzen. Es ist ein globales Phänomen, dass Schüler sich auf
ihren Tischen mit Zeichnungen und Einritzungen verewigen. Die

Ktritzeleien dokumentieren ihre Situation zwischen Macht und Ohnmacht. Ottjörg A.C. stellte im Laufe des Projektes über 600 großformatige Drucke von Schultischen her und dokumentierte dadurch die Einkerbungen. Er besuchte 48 Schulen auf fünf Kontinenten, unter anderem im Libanon, in Israel, in Japan, kurz nach dem Tsunami oder in den USA und stellte jeweils zwei Drucke pro Tisch in unterschiedlichen Farben her.

Durch die Einritzungen und Verewigungen der Schule manifestiert sich für Ottjörg A.C. der Widerstand der Schüler gegen die Zurichtung, gegen das funktionierbar gemacht werden der Institution Schule. Und auch gegen den Druck, dem die Kinder und Jugendlichen von Aussen unterliegen, sei es durch Krieg, Naturkatastrophen oder ökonomischen Druck. Interessant ist, dass es überall gemacht wird obwohl es überall verboten ist. Kritzeleien haben eine lange Geschichte; so gab es auch schon

Höhlenkritzeleien unserer Urahnen.

Es stellt sich die Frage der Archivierung: In den analogen Medien ist die Geschichte eingeschrieben, sichtbar. So kann z.B. an einem Schultisch eine Liebesgeschichte abgelesen werden. Zunächst stand "I love Cathy" auf einem der Tische. "Cathy" wurde durchgestrichen und "Veronika" drüber geschrieben.

Der Wohlstand der Schule zeigt sich über die Größe und den Austausch mit internationalen Einrichtungen.

Das zweite Projekt beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die Archivierung mit zeitbasierten Medien überhaupt möglich ist. Ottjörg A.C. plant nun den umgekehrten Weg. Er will die Tische aus dem jeweils urbanen Kontext der jeweiligen Schule hinausnehmen und sie in verschiedene Naturkontexte überführen: in den Amazonas, in die Wüste, ins Eisland und auf den offenen Ozean. Den Prozess der Aneignung und Veränderung durch die Natur möchte er mit den Medien dokumentieren.

Dieses so entstandene Datenmaterial will er im Anschluss zurück in den urbanen Kontext bringen. Es bleibt spannend inwiefern die Authenzität der jeweilgen Arbeitsschritte gewahrt werden kann.

 

Als Beweis für die realen Begenungen auf seinen Reisen hat er verschiedene Schultafeln mit Kritzeleien bei den Anwesenden herumgehen lassen. Es entstand eine lebendige Diskussion, die bei Getränken, Keksen und Tomaten fortgesetzt wurde.

 

 

 

 

Fünfzehntes Netwerktreffen: Lioba von den Driesch

 

Am 13. Februar 2013 zeigte Lioba von den Driesch eine Auswahl ihrer Arbeiten aus drei Jahrzehnten. Neben analogen Video-arbeiten, waren Ausschnitte aus Trickfilmen und Computer-animationen, freie Arbeiten aber auch Aufträge zu sehen. Zu Beginn ihrer Präsentation zeigte LvdD den 1983 im Rahmen eines Johannes Gutenberg Stipendium entstandenen Trickfilm "Der Versuch eine Stadt zu begreifen", der die stadthistorische

Entwicklung von Mainz veranschaulicht. Anhand dieses Beispiels erläuterte sie ihre Arbeitsweise, die Entwicklung einer Geschichte aus immer dem gleichen Material (Bodensatz). Charakteristisch für LvdD ist die Fähigkeit, sich ganz auf ein Projekt einzulassen. Dies führt manchmal zu Resultaten, die von der vorher bestimmten Absicht abweichen und die Künstlerin mitunter selbst überraschen.

Im zweiten Teil stellte LvdD analoge Videoarbeiten vor. Sie arbeitet mit Fundstücken, spontanen Ideen und schöpft aus

einem großen Fundus von dokumentarischen Aufnahmen und Handskizzen.

In einem Intro für ein Projekt der HdK zum Futuristischen Theater schuf sie eine eindrucksvolle Collage, in der sie dadaistische und futuristische Elemente verarbeitet.

Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Bewegung, mehr noch, das was die Bewegung antreibt, ihre Geschichte und Absicht, die Emotionen der Zwischenstadien.

 

Dabei ist es immer wieder eine Herausforderung, Persönlichkeit in die Animationen zu legen - aber eben nicht zu viel, wie z.B. in dem experimentellen Kurzfilm "Walzer". Diese Arbeit entstand im Studio für audiovisuelle Medien an der Hdk. Eine Gruppe ausgemusterter Bürostühle inspirierten LvdD zum Walzer.

LlvD hat auch viele Auftragsarbeiten erstellt, u.a. für ihre Schwester Roswitha von den Driesch: Alltagshandlungen in normierten Lebens-oder Arbeitsräumen - so z.B die minimalen Bewegungen einer Bildschirmarbeiterin von oben gesehen.

Für einen Zeitungsverlag erarbeitete sie mehrere Animationen, die mit den Patterns der Videoprogramme spielen, z.B.  trägt ein Hund die Zeitung zum Kunden. Sie hat viele Auftragsarbeiten realisiert u.a. die Webseite zum Werk Stephan von Huenes, die sie gestaltet und entwickelt hat. Humorvolle Kurzfilme wie "Mamaloop" gehören ebenso zum Repertoire der Künstlerin wie experimentelle Arbeiten und Stop-Motion Animationen.

Zum Ende ihres Vortrages hin berichtet Lioba von den Driesch von ihrer Vorliebe mit rudimentären Materialien wie z.B. Glas, Stein, Holz oder Kreide zu arbeiten. Auf die Frage, we lange sie jeweils an ihren Animationen arbeitet, erklärt sie, dass es für sie wichtig ist, einen in sich geschlossenen Arbeitsprozess zu durchlaufen, der jeweils bloss einige Stunden in Anspruch nimmt. Dafür ist eine hohe Konzentration erforderlich. Der Prozess geschieht quasi in Echtzeit, eine Korrektur nicht so leicht möglich. Damit ist es ein einzigartiger Prozess, dessen Ergebnis Unikatsqualität erhält.

Sie zeigt ihre Kreideanimation zum Letzten Abendmahl von Leonardo da Vinci. Da Vincis Beschreibungen lesen sich wie ein Drehbuch, doch LvdD's Animation nimmt eine ungeahnte Wendung.

 

Im Anschluss ging das Netzwerktreffen wie immer in einen informellen Austausch bei Wein und Tomaten über.

 

 

 

 

Vierzehntes Netzwerktreffen: wikipedia für Medienkünstler

 

Der 23. Januar war dem Thema "wikipedia für Medienkünstler- Zwischen Kreativität und Relevanzkriterien" gewidmet. Michael Schlesinger hielt zunächst einen Vortrag über die Möglichkeiten der Nutzung von wikipedia, der kritisch beleuchtete, welche Fallen es auch gibt. Er verteilte eine Zusammenstellung der Relevanzkriterien, um als Künstler bei wikipedia zu erscheinen. Das Portal "Bildende Kunst" hat gerade keine Leitung weil die

dafür zuständigen Wikipedianer sich verstritten haben. Eventuell wolle ja jemand von uns dafür die Leitung übernehmen. Es ist wichtig, dass dieses Portal wieder besetzt wird. Weiter führte er aus wie wichtig es für die Enzyklopedie wikipedia ist, dass auch Künstler, die die Relevanzkriterien erfüllen, dort zu finden sind. Er sprach einige Künstler persönlich an, um sich um ihre Darstellung bei wikipedia zu kümmern bevor es jemand anderes tue und es einem sogar schaden könnte. Bei wikipedia ist genau festgelegt, bei welchen Personen es sich um für die Öffentlichkeit interessante Personen in der Bildenden Kunst handelt.

Die Relevanzkriterien sind zu finden auf

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Richtlinien_Bildende Kunst

Michael Schlesinger, der selbst schon viele Jahre als Autor für wikipedia tätig ist und zur Zeit im Hochschulprogramm aktiv ist, übergab an Silvia Stieneker, die direkt bei wikimedia arbeitet und die Tutorials macht. Sie hat die konkreten Schritte erklärt: Wie lege ich einen Benutzeraccount an? Worauf muss ich in meinem Artikel achten, damit der neu angelegte Artikel nicht gleich wieder gelöscht wird?

Sowohl Silvia Stieneker als auch Michael Schlesinger erklärten, dass der Frauenanteil bei der Wikipediaautorschaft extrem gering ist. Er liegt derzeit bei nur 10 % weshalb wikimedia sich bemüht, Frauen für die Autorschaft zu interessieren.

So wurde der regelmässige Stammtisch am 2. Mittwoch des Monats beim Frauencomputerzentrum ins Leben gerufen: http://www.fczb.de/index.php?id=8.

Es gab die Möglichkeit, sich direkt einen account anzulegen und zu editieren. Die meisten genossen das Netzwerken wozu es ebenfalls Gelegenheit gab. Dabei wurde der Flubereich zur Verlängerung des Wohnzimmers, wo Kekse, Tomaten und Wein warteten.  

 

 

 

 

 

 

Dreizehntes Netzwerktreffen: Atelier PERELA

Alessandro Maggioni stellt am 12.12.2012 seine Animationsarbeit im Rahmen des Ateliers PERELA vor. Das Atelier PERELA ist eine Kollaboration von Designern, Projektentwicklern und Programmierern.

Sie haben sich zusammen geschlossen, um so etwas ähnliches wie das "Fab Lab" aufzubauen, ein Labor nach dem Prinzip von DIY. Faber kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel we Künstler/Handwerker. DIY bedeutet "Do It Yourself". Die Idee ist, dass Kinder ihre Spielsachen selbst gestalten und entwickeln können.

Kinder werden in den Arbeitsprozess eines Animationsfilms einbezogen: Zeichnungen, angefertigt als Grundlage der Animation, wurden in einem Workshop mit Kindern in Photoshop nachbearbeitet und beschnitten. Die so entstandenen Vorlagen bildeten das Grundgerüst für den Animationsfilm.

In einem anderen Workshop ging es darum, ein Logo für die Schule zu entwickeln. Die Kinder lieferten viele Zeichnungen dafür. Sie hatten klare Vorstellungen davon, was sie von ihrer Schule erwarten. Natürlich richtet sich das Atelier PERELA nicht ausschliesslich an Kinder, doch ist die Grundidee, die neu entstandenen medialen Techniken kreativitätsfördernd einzusetzen.

Aus dem Projekt heraus wurde eine App für den Ipad entwickelt. Da immer mehr Familien inzwischen einen Ipad besitzen ist dieser aus der Erlebenswelt vieler Kinder nicht wegzudenken. Die App soll die Kinder in der Entwicklung ihrer Kreativität unterstützen und ist für 4 € käuflich zu erwerben.

Alessandro Maggiorni stellte die Anwendung vor und es entwickelte sich eine lange Diskussion über die Nutzung von

Apps. Was kann eine App leisten? An welche Zielgruppe richtet sich die App? Wie lässt sich noch mehr Kreativität frei setzen und eine ältere Zielgruppe ansprechen?


Es gab einige Ideen aus dem Publikum, wo Alessandro sein Projekt vorstellen kann (Schule am Koppenplatz, Filmmuseum Amsterdam).

Gideons Tale wurde dieses Jahr auf dem DIY-Festival präsentiert. Realisiert wurde der  Workshop "Medienkäfer" mit Kindern.

 

Die Figuren wurden aus Pappe angefertigt, auf dünnes Sperrholz übertragen und mit einem Lasercutter geschnitten. Positiv- und Negativform werden zu Objekten, die in immer neue Konfigurationen eingebunden werden können.

Die Figuren können ineinander bewegt und verändert werden. Das Prinzip ist spielerisch, die Addressaten sind Kinder und Erwachsene, die ihrer Phantasie freien Lauf lassen möchten.

"Hinter den Mauern eines alten Schlosses befand sich ein Garten. In diesem Garten wohnte Gideon, der Pfau des Königshofes." (Zitat aus "Gideons Schleppe", Buch von Chiara Pagano und Alessandro Maggioni)

 

 

 

Zwölftes Netzwerktreffen: Arbeiten von Matthias Fitz

 

Beim 12. Netzwerktreffen am 14. November 2012 präsentierte der Berliner Medienkünstler Matthias Fitz seine experimentellen, installativen und oftmals interaktiven Arbeiten in einem Videovortrag. All seinen Kunstwerken ist gemein, dass sie versuchen, das Unsichtbare wie z.B. elektromagnetische Strahlung, VLF (sehr Tiefe Frequenzen) oder digitale TV-Signale,

das uns ständig umgibt, sichtbar zu machen.

(SoundToFrame 1.2) LULLABY ist eine Schlafmeditation als horizontaler Strichcode, basierend auf Brahms Wiegenlied "Guten Abend, Gute Nacht.".
Jedem einzelnem Ton, der 10fach verlangsamten Melodie, ist eine bestimmte Strichkombination zugeordnet, wobei diese nicht beliebig ist, sondern durch den jeweiligen Ton erst erzeugt wird, indem das Audiosignal in den Videokanal eingespeist wird.

Eine andere Arbeit, PictureTubeRadio aus dem Jahr 2003, beschäftigt sich mit VLF.
Das elektromagnetische Spektrum umfasst neben dem sichtbarem Licht u.a. radioaktive Strahlung, Radiowellen, Mobilfunkstrahlung sowie den sehr tieffrequenten Bereich (VLF = Very Low Frequency), der normaler weise vom menschlichen Ohr nicht wahrgenommen wird. Mit Hilfe eines speziellen VLF-Empfängers ist es jedoch möglich, diesen tieffrequenten 

Strahlungsbereich direkt hörbar zu machen.
Natürliche Quellen der VLF-Strahlung sind die Sonne, elektrostatische Entladungen der Atmosphäre und die Aurora. Die Erde selbst schwingt mit der sogenannten Schuhmannresonanz auf einer Frequenz von etwa 8 Hertz.

 

Ausserdem entsteht tieffrequente Strahlung als Nebenprodukt unserer Industriegesellschaft. Ausser unserem Stromnetz,

das eine fast überall meßbare 50 Hertz Strahlung emittiert, produzieren u.a. Hochspannungsleitungen, Elektrozäune, Radiowecker und Neonröhren tieffrequente, elektromagnetische Klanglandschaften. Auch die Bildröhre eines Fernsehapparates emittiert ausser dem sichtbarem Licht eine elektromagnetische Strahlung im VLF-Bereich. Da bestimmte Bilder bestimmte Klänge erzeugen, wird der TV-Apparat zu einem, in diesem Kontext bisher völlig unerforschten, Klanginstrument.

Streichlicht ist ein Kreislauf elektronischer Signale, ein System sich selbst produzierender Bilder, das über eine gewisse Zeitspanne hinweg autark arbeitet, jedoch in bestimmten Zeitintervallen eine Energiezufuhr von außen benötigt, um weiter funktionieren zu können.
In einem dunklen Raum stehen 20 Glasbehälter auf dem Fußboden verteilt. In den Behältern befinden sich selbst konstruierte Solarzellen, daneben liegen Lautsprecher auf dem 

Boden. An der Decke ist ein Videoprojektor befestigt, dessen Bild auf den Fußboden gerichtet ist. Am Eingang zur Installation erhält der Betrachter eine Schachtel Streichhölzer und den Hinweis, eines davon im Inneren des Raumes anzuzünden.
Sobald er dies tut, hört er das Licht des Streichholzes als elektronisches Pfeifen und Knistern und im gleichen Augenblick projiziert der Videoprojektor Bilder von, in ihrer Breite und Anzahl wechselnden, Linien auf den Fußboden und die Glasbehälter. Das

auf die Behälter auftreffende Licht verursacht eine photoelektrische Reaktion in den Solarzellen, welche wiederum das Signal für den Videoprojektor produzieren.
Der Betrachter kann zwischen den Glasbehältern umhergehen, was den Klang und somit auch die Bilder beeinflusst.
Nach einer Weile nehmen Projektion und Klang in ihrer Intensität ab, bis der Betrachter sich wieder im Dunkeln befindet und erneut ein Streichholz entzünden muss, um Streichlicht neu zu “starten”.

Die interaktive Videoinstallation t.a.s. [television absorption system] zeigt alle, am jeweiligen Ausstellungsort über DVB-T ausgestrahlten Fernsehprogramme überlagert in einer einzigen Videoprojektion. Es entsteht eine sehr dichte, geisterhafte Bild-Ton-Collage. Aufgrund der strahlungsabsorbierenden Eigenschaft seines eigenen Körpers kann der Betrachter die Projektion und den Klang beeinflussen. In Abhängigkeit der Anzahl der Besucher sowie ihrer Bewegungen im Raum entstehen

Bild- und Tonstörungen in einzelnen Kanälen bis hin zur kompletten „Absorption“ sämtlicher Programme.

Nach dem Vortrag gab es die Gelegenheit bei Snacks und Wein dem Künstler Fragen zu stellen und sich untereinander auszutauschen.

Matthias Fitz steht den Nutzer_innen der Medienwerkstatt als Mitglied des Expertenpools auf persönliche Anfrage zur Unterstützung zur Verfügung.

 

 

 

Elftes Netzwerktreffen: Wikipedia für Medienkünstler

 

 

Das Netzwerktreffen am 17.10.2012 hat einen Workshop-charakter und beginnt deswegen schon um 17 Uhr. Die Internetverbindung ist her gestellt - wir wollen hinter die Kulissen von Wikipedia schauen und auch selbst aktiv werden.

Michael Schlesinger weist in die Historie der Wikipedia ein und in die Grundregeln, die sowohl bei der passiven (als Leser und "Verwerter") als auch der aktiven Nutzung gelten, und er schildert seine Erfahrungen als Autor in der Wikipedia-Community. Gemeinsam schauen wir uns Versionsgeschichten von Artikeln an. Dabei werden auch thematische Schwerpunkte und das "Einstiegsdatum" einzelner Autoren sichtbar. 

Jeder Artikel besitzt eine Diskussionsseite, in der nicht nur weitere inhaltliche Aspekte zeigen sichtbar werden, sondern auch die Kommunikation innerhalb der Community.

Wir gehen den Bildquellen nach und besuchen das Schwestern-projekt Commons (Medien). Die "Creative Commons/Share-Alike-Lizenz" als gemeinschaftliche Arbeitsgrundlage kommt zu Sprache.

Ein angemeldeter Nutzer wird ansprechbar und kann sich anderen Autoren austauschen.
Wir entscheiden uns, bei Wikipedia einen eigenen Account anzulegen und einen Artikel über die Medienwerkstatt zu schreiben. Kaum haben wir die Anmeldung abgeschlossen, werden wir mit einer unerwarteten Groß-Klein-Schreibregel konfrontiert und wir senden unsere erste Frage in den Wikipedia-Space.

Sofort kommen Antworten, quasi in Echtzeit.

 

Nachdem unser Ansprechpartner unseren Account gelöscht und mit den Veränderungen der Schreibweise hat neu entstehen lassen, beginnen wir mit unserem ersten Artikel und schreiben einen Satz. Wir machen uns Gedanken um unsere persönliche Seite und beschließen nicht aufzugeben.

Eine Diskussion über Hierarchien in der Wikipedia und die jeweiligen Rechte innerhalb der Autorschaft der Wikipedia entsteht.

Wie verhält sich dazu die Bildende Kunst? Wie wird sie verortet innerhalb des encyclopädischen Anspruchs?

 

Wie können Künstler wikipedia für sich nutzen? Wie eng sind die Hierarchien und wie können Künstler mit diesen umgehen?

Am Schluß ging es wie immer zum "Wohnzimmer", wo Kulinarisches wartete. Die Diskussion wurde in Einzelgesprächen fortgesetzt. Der Abend klingt bei Wein, Tomaten, Chips und Trauben aus.

 

 

 

 

 

 

 

Zehntes Treffen am 26.9.: copy! please copy! von J. Eberhard

 

Jutta Eberhard nutzt seit ca. 10 Jahren die Werkstätten des bbk. Am 30. August hat sie auf der Documenta in Kassel den (un)workshop im Rahmen von AND AND AND gegeben.

 

Alles begann mit dem von Hand produzierten typographischen Objekt zum Thema Arbeit, faltbar in Postkartengröße.

In dem Unikat werden vor allem Fragen gestellt wie z.B "Was wenn ich nicht dazu gehöre?" Was bedeutet es, sich überflüssig zu fühlen? Und welche Rolle spielt in diesem Kontext die Mode? Was bedeutet Luxus?


Die Leserichtung verlaüft von links nach rechts. Mit jeder aufklappbaren Seite stehen neue Fragen im Raum. Der Kontext verändert und vergrössert sich.

Jutta Eberhard erklärt, wie sie sich in ihren Arbeiten mit der Anfertigung von Kleidung beschäftigt. Sie hatte mal selbst ein Modelabel und kennt sich mit den Produktionsprozessen der Textilindustrie aus.
In Wien hat sie eine Performance mit überzogenen Kleidungsstücken realisiert. Die Models trugen Teile, die ihre Bewegung erschwerten. Die Dokumentation der Performance wurde in der Medienwerkstatt geschnitten.

Über ihre Arbeit schreibt die Künstlerin auf ihrer Webseite copy! please copy!: "The work "demand to copy" is a call to revert available resources in every respect, and to copy them with one´s own means. It is a call to create independant production facilities and channels of commerce, in which for instance handcraft is practised and products are available by swapping them.

The significance of creativity and authorship, the cultstatus of

designers and artists, the display of social affiliation and exclusiveness - all of this is to be questioned by means of simple copying.

 

The work also focuses on the aspect of time as a parameter of luxury by decelerating of the work process. All objects are made byhand and copied with simple means from existing materials and designs based on haute couture clothes."

Sie zeigt Fotos aus dem (un)workshop, den sie auf der Documenta in Kassel gehalten hat. Die Worksopteilnehmer erstellen ihre eigenen Modeteile aus mitgebrachten Kleidungsstücken. Diese wurden größtenteils von Hand angefertigt. Bis zum späten Abend wurde genäht, gestickt und appliziert.

Wir begaben uns in Richtung "Wohnzimmer", wo Kekse, Tomaten

und Getränke warteten...

Im Anschluss an ihren Vortrag entwickelte sich ein reger Austausch über Konsum, Gesellschaft und die Rolle der Kunst in diesem Geflecht. Jutta Eberhard sprach über ihre Erfahrungen als Mitarbeiterin in einer kommerziellen Galerie und Pablo, ein weiterer Nutzer der Medienwerkstatt, berichtete von seinen Kunstverkäufen während des Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie.

 

 

Neuntes Netzwerktreffen am 17.7.2012: Eine Arbeitspräsentation von Christa Biedermann mit Vorstellung ihres neuen Kataloges.

 

 

Christa Biedermann arbeitet seit 1984 mit Film, Video, Performance und Musik. Sie nutzt seit der Entstehung der Medienwerkstatt die hier vorhandenen technischen Möglichkeiten und arbeitet vor allem in der Greenbox.

Dabei inszeniert sie sich auf satirisch-provokante, oft auch politische Weise immer wieder selbst.

 

Sie begegnet in einem Videoclip ihrem Jüngeren Ich, oder tritt selbst real in die Projektion.

 

Irgendwann hat man den Eindruck: Orte und Zeiten ziehen unaufhaltsam vorbei - die Künstlerin aber bleibt.

In ihren Arbeiten bezieht sie sowohl typographische Elemente als auch graphische Strukturen mit ein. 

Ihre Rolle sowohl als Macherin und Zuschauerin, als Darstellerin oder Kamerafrau, als Regisseurin und Drehbuchentwicklerin stellt sie selbst kritsch in Frage.

 

Beeindruckt waren wir von ihrem Mut, mit dem sie immer wieder in ihren medialen Performances in die Öffentlichkeit getreten ist.

Ihre frühen Filme und Performances sind geprägt von feministischen Themen.

 

Sie tritt als akkordeon-spielende Chansonette oder Männer-

mörderin auf, oder stellt radikale Fragen und Antworten in den öffentlichen Raum.

 

Die Szenerie ist real.

Mit ihr reisen wir durch die Welt. Mal ist sie Protagonistin, mal ihr eigener Ehemann in Begleitung oder ihre eigene Freundin.

 

In den neuen Arbeiten versetzt sie sich selbst mit Hilfe der  Greenboxtechnik in unterschiedliche Szenerien, Mikro- und Makrokosmen. Meistens sind es Reisebilder, die sie über Jahre an den unterschiedlichsten Orten sammelt.

Am Schluss stellt Christa Biedermann ihren frisch gedruckten Katalog vor. Diesen hat sie in der Druckwerkstatt hergestellt.

 

Es bleibt noch Zeit für Fragen. Interessiert waren alle am Herstellungsprozeß. Wie nutzt sie die Greenbox der Medienwerkstatt und wie entwickelt sie ihre Arbeiten?

 

Zum Get-Together ging es in Richtung unseres "Wohnzimmers", wo wir im Gang ein paar Sitzmöglichkeiten aufgestellt haben.

 

 

Wie immer klang der Abend mit Gesprächen, Wein, Keksen und Tomaten aus.

 

 

 

 

Achtes Netzwerktreffen zum Projekt "der Specht"

 

 

Das Thema dieses Abends am 22. Mai waren Überlegungen zur Finanzierung medialer Projekte. Reinier Sikkens, ein junger Wissenschaftler aus den Niederlanden, stellte seine Forschung dazu vor, die Ihn auch zu einem eigenen künstlerischen Projekt inspiriert hat. Es heißt "der Specht".

Zunächst präsentiert er seine Recherchen zu Kunst im Internet und Netzkunst und deren Überschneidungen zu anderen Formen mobiler Kunst, um dann auf Finanzierungsstrategien einzugehen.

 

Die ppt-Präsentation enthält viele schematische Darstellungen von sehr verschiedenen Projekten. Dann wurde der "Specht" vorgestellt. Das Bild des Spechtes steht für das Flüchtige und gleichzeitig Unermüdliche.

Der Specht nistet in Höhlen.

 

Die Idee ist, dass die Kunst zum Publikum gebracht wird. Die Ausstellungsbesucher sind überall, eben auch auf der Straße, wo Reinier ihnen sein Projekt auf dem Fahrrad hinbringen und vorstellen kann. Der Kasten ist direkt am Lenkrad angebracht und damit mobil, die Ereignisse in dem Kasten sollen interaktiv beeinflußt werden.

Der Kasten enthält zwölf "Spechthöhlen", die Facetten einer Persönlichkeit. Durch die Löcher kann in die einzelnen Räume geschaut werden. Da gibt es einen roten Raum mit Spiegel, andere mit Federn, Blumen oder Sand.

Zusammen mit Kerstin Trubel von der TU wird ein Gerät entwickelt, mit dem sich das Licht steuern und dimmen läßt. Damit kann die Intensität in den einzelnen Boxen gezielt verändert werden.

Allerdings gestaltete sich die Entwicklung des Gerätes doch aufwändiger als geplant, sodass das Gerät in seiner Funktionalität noch nicht fertig war. Reinier nutzte sein blinkendes Fahrradrücklicht und eine kleine Leuchte wodurch der provisorische Charakter unterstrichen wurde. Je nach Lichtsetzung entstanden verschiedene Licht- und Schattenspiele. Die nun überdimensional groß wirkenden Charaktere wurden je nach Lichteinfall verschieden konnotiert.

 

Die einzelnen Boxen haben ein wildes Innenleben. In der einen tragen die Spechte Heiligenscheine, während sie sich in den Nachbarzellen völlig "aufrauchen" oder in einem selbsgewählten Gefängnis leben.

 

Die Arbeit läßt viel Raum für Assoziationen, die in den Gesprächen im Anschluß an den Vortrag vertieft wurden.

Gemeinsam verließen wir die Greenbox und begaben uns in Richtung Medienwerkstatt/Wohnzimmer und Flur. Angeregt durch den Vortrag gab es viele Gesprächsfäden.

 

Weitgehend standen alle vor unserem "Wohnzimmer" im Austausch bei Getränken und Keksen. Der Raum im Flur wurde zu einem gemütlichen Zwischenraum mit vielen Ideen für anstehende Projekte.

 

 

 

Siebtes Netzwerktreffen zum Thema "analog und digital"


 

Am Dienstag, den 13.3. gab es in der Greenbox eine Präsentation von Wolfgang Spahn sowie im Anschluß eine Reise mit Experimenten im "Wohnzimmer". Die Netzwerktreffen haben das Ziel, die MedienkünstlerInnen in Berlin zu stärken und den Austausch zu fördern.

Dieses Mal fand das Netzwerktreffen der Medienwerkstatt zum ersten Mal in der Greenbox statt. Wir saßen auf gebastelten Styroporlagen mit knisternder Luftpolsterfolie und lauschten dem Vortrag von Wolfgang Spahn, der uns in vielfältige Bildlandschaften verführte. Zunächst zeigte er uns analog erstellte Dias, die mit malerischen Techniken bearbeitet wurden. Auffallend war die starke Farbigkeit und der architektonische Kontext, der utopische Stadtansichten suggerierte.

Wolfgang Spahn erklärte seine Vorgehensweise und zeigte, wie er in seinen Arbeiten analoge und digitale Techniken verbindet. Das Projekt "Liquid State Machine", welches in der Medienwerkstatt entwickelt wurde, hat er dieses Jahr auf der Transmediale präsentiert. Als studierter Mathematiker und langjährig praktizierender Künstler hat er vorwiegend mit Open Source Programmen gearbeitet (Arduino, Pure Data). Die Zuschauer können in seinen Installationen interagieren.

Er zeigte einige Ausstellungsbeispiele. Beeindruckend war, wie er ein rohes Ei als Navigationsobjekt (quasie als Maus) einsetzte, welches die Ausstellung sogar überlebte.

Im Anschluss an seine Präsentation ging es über zu einem informellen Austausch mit einer kleinen Stärkung. Alle hatten bereits Erfahrungen mit dem Thema analog/digital. Umso lebendiger die Diskussion, als die unterschiedlichen Erfahrungen vorgestellt wurden.

Der Flur wurde währenddessen zu einem temporären Aufenthaltsraum. Hinten stehen noch Sessel und Sofa; es ist auch ein kleiner Ausweichraum bei Hochbetrieb in der Medienwerkstatt.

Die Rosa-Blümchen hauchten ein Stück Gemütlichkeit ein. 

 

Dann ging es zu unserem "Wohnzimmer", unserem Computerbereich.

Hier waren unsere Experimente mit zwei Videokameras aufgebaut:

 

eine analoge Röhrenkamera und eine Diakamera aus der analog/digitalen Übergangszeit, dazu ein altes Effektgerät, eine sog. Video Matte, angeschlossen an die AV-Karten der Computer - so sahen die Anordnungen unserer analog/digitalen Videoexperimente aus.

Die Diakamera ist eine Art Leuchttisch in Kleinbildformat, auf dem aus Objekten und Licht eigenartige Mikrokosmen entstanden.

Das Bild der Röhrenkamera wurde in der Video Matte einerseits stabilisiert, andererseits durch die Mischung mit sich selbst verfremdet und in einer Feedbackschleife irritiert.

Feedbackloops entziehen sich der Kontrolle, da beginnt die Technik ihre ganz eigenen Kreise zu ziehen. Vielfach werden solche Loops in performativen Arbeiten eingesetzt.

Die "Spezialitäten" des analogen Video: Rauschen, Feedback und das "Gallertartige" lassen sich digital praktisch nicht festhalten.

 

Umso spannender war die Einzigartigkeit des Performativen: alle schauten gebannt auf die sich entwickelnden Bildwelten in ihrer ganz eigenen Ästhetik.

 

 

Sechstes Treffen "Kunst und Medien"


 

Am Dienstag, den 28.6. trafen sich rund 30 KünstlerInnen in der Druckwerkstatt im Künstlerhaus Bethanien. Das Thema des Abends war die Arbeit mit Audio. Der Abend startete mit dem Vortrag von Stefan Roigk. Seine Werke sind im Grenzbereich zwischen abstrakter Klangcollage, plastischer Rauminstallation und grafischer Partitur zu verorten.

Stefan Roigk: Parkplatz 2006
Stefan Roigk: Parkplatz 2006

Er zeigte einige Rauminstallationen und erklärte, wie er vorgeht, wenn er seine Projekte entwickelt. In der Projektentwicklung bezieht er alltägliche Situationen ein, die zum Teil von den Anwesenden erkannt wurden. Zum anderen Teil blieben sie unerkannt und lösten dann bei der Aufdeckung eine Überraschung aus wie zum Beispiel der Wassertropfen. Auch in der Bild- und Raumebene werden alltägliche Gegenstände eingesetzt oder nachgebaut wie Turnmatten oder Tonkabel, Schläuche, Boxen oder Elemente aus dem Sanitärbereich.

Die Anwesenden stellten viele Fragen, sodass sich eine lebendige Diskussion zum Umgang mit Audio, Bild und Raum entwickelte. Themen waren unter anderem der Umgang mit Klangarbeiten im Kontext der Bildenden Kunst und gängigen Ausstellungspraxis sowie der Umgang mit der Einbindung von Bildern aus Werbe- und anderen Kontexten. Die Konzentration lag auf der Wahrnehmung der einzelnen Klangarbeiten. Nach einer Stunde gingen wir zum Suppenessen über. 

Es fand ein reger Austausch statt, der dann unten in der Medienwerkstatt fortgesetzt wurde. Etwa die Hälfte der Anwesenden nahm noch an der Präsentation des neu fertig gestellten Audioraums teil. Dort erläuterten Elisabeth Enke und Christph Conrad, wie sie beim Umbau vorgegangen waren und worauf alles zu achten ist, wenn es um die Arbeit mit Sound geht. Christoh Conrad hat eine Dokumentation im Forum Raumakustik und Dämmung verfasst, wo er auch seine Tonmessungen eingestellt hat.

Einige Klangarbeiten (u.a. von Stefan Roigk) wurden gemeinsam angehört und in Bezug auf den Raum untersucht. Der Fokus lag auf der Wahrnehmung, die von äußeren und inneren Faktoren abhängig ist. Diese Faktoren wurden besprochen und im Raum ausprobiert. Insgesamt waren alle sehr interessiert an den vielen technischen Details und Überlegungen zum professionellen Umgang mit Audio.

 

 

 

 

 

 

 

Präsentationen: Das Toolkit V4 und der Künstler Michael Hoepfel

Viertes Netzwerktreffen 'Kunst & Medien'

 

Am 11. November 2010 trafen sich rund 25 Künstlerinnen und Künstler in der Druckwerkstatt des Kulturwerk des bbk berlin zu Präsentationen und Gesprächen zum Thema 'Kunst & Medien'. Wolfgang Spahn und Nina Korolewski, die den Abend moderierten, stellten das neue Konzept für die zukünftigen Treffen vor. Geplant ist, sich alle zwei Monate in die Medien- bzw. der Druckwerkstatt des bbk zu treffen und hierzu jeweils Gäste einzuladen. Im Mittelpunkt soll die Auseinandersetzung mit künstlerischen Techniken und Produktionsweisen oder auch Organisationsformen von Künstlerinnen und Künstlern stehen. "Diskurse über Kunst nicht über Technik" formulierte Wolfgang Spahn das neue Konzept.

 

Und das ist gelungen an diesem Abend: Joreg stellte VVVV (V4) vor, ein Toolkit für Echtzeit-Medienanwendungen, das er gemeinsam mit Sebastian Gregor entwickelt. Im Anschluss präsentierte der Künstler Michael Hoepfel eine Auswahl seiner Arbeiten.

 

VVVV - a multipurpose toolkit
VVVV (V4) ist eine Entwicklungsumgebung, mit der sich auch ohne Programmierkenntnisse interaktive Anwendungen und Echtzeit-Grafiken als 'patches' realisieren lassen. Besondere Stärken von V4 sind die Vielfalt verwendbarer Ein- und Ausgabe- geräte sowie die Tatsache, daß am laufenden patch gearbeitet werden kann, was auch eine weniger strategische Arbeitsweise begünstigt. Für nichtkommerzielle Projekte ist V4 frei im Netz verfügbar. Vom 15. - 20. November 2010 findet im Kunstverein Frankfurt/M die Node statt, ein Forum mit Vorträgen und Workshops über V4. vvvv.org . node10.vvvv.org . www.checksum5.com

Michael Hoepfel - Auswahl an Arbeiten
Der Künstler Michael Hoepfel (*1971) arbeitet seit Anfang der Neunziger Jahre mit digitalen Medien in den Bereichen Bild, Objekt, Animation und Installation. Seine Arbeit beschränkt sich allerdings nicht auf diesen oft als 'Medienkunst' abgegrenzten Bereich. Elektronische Medien versteht er vielmehr als gleich- wertig mit anderen künstlerischen Werkzeugen und sieht ihre Stärke vor allem in der Kombination mit klassischen Medien, Materialität und Räumlichkeit. Das Spannungsverhältnis zwischen Körper, Repräsentation und Interpretation stellt dabei einen wesentlichen Schwerpunkt seiner Arbeit dar. www.hoepfel.net . www.meso.net 

Michael Hoepfel & Checksum5: Lightstrive, interaktive Projektion, Athen 2004
Michael Hoepfel & Checksum5: Lightstrive, interaktive Projektion, Athen 2004

 

 

Medienkünstlerinnen und Medienkünstler treffen sich trotz WM-Konkurrenz im BKS in Kreuzberg

Drittes Netzwerktreffen 'Medienkunst in Berlin'

Das 3. Netzwerktreffen Medienkunst in Berlin fand am Mittwoch 23. Juni 20:00 Uhr im Backoffice in der Ohlauerstrasse 36 statt. Gastgeber waren diesmal die Künstler und Künstlerinnen der Ateliergemeinschaft BKS (Bau kein Scheiß). Trotz Fußballfieber und wichtigem WM-Spiel fanden sich zahlreiche TeilnehmerInnen des Treffens im Backoffice zum Gespräch ein.

 

 

Netzwerktreffen im tmp.plate

Zweites Netzwerktreffen 'Medienkunst in Berlin'

Am 22. April fand das 2. Netzwerktreffen 'Medienkunst in Berlin' im tmp.plate, der kunst.klause in tiergarten süd statt. Rund 25 Künstler/innen sowie Vertreter/innen von Kunstprojekten und -einrichtungen aus dem Bereich der Medienkunst nahmen an dem Gespräch teil.

 

Nach der Begrüßung durch Nina Korolewski, der Projektleiterin von 'tmp' - temporäre Projekträume in Berlin stellten die Organisatoren des Klangkunstfestivals 'ping' und die Veranstalter des Medienfestivals 'Strictly Berlin' ihre Konzepte vor. Als Einrichtung war außerdem 'Walden-Kunstausstellungen' beteiligt, eine Projektraumgallerie mit
Ausstellungen im Medienkunstbereich.

Schwerpunkt des anschließenden Gesprächs war die Organisationsstruktur des zukünftigen Netzwerks 'Medienkunst in Berlin'. Gewünscht wurde vor allem, dass sich Verantwortliche finden, die eine Verteilerliste aufbauen und für eine verbindliche Terminplanung sorgen - so wurde der aktuelle Termin offensichtlich nicht an alle Interessierten vom letzten Treffen verschickt. Vorgeschlagen wurde zudem, dass die Netzwerkorganisatoren Projekte und
Initiativen gezielt ansprechen sollten, dass sie sich bei den Treffen vorstellen.

Das nächste Treffen findet (voraussichtlich) im Projektraum BKS 'Bau kein Scheiß', einer Ateliergemeinschaft bestehend aus freien Künstlerinnen und Künstlern, sowie Studierenden der Klasse 'Kunst und Medien' der Universität der Künste Berlin statt.

 

 

Berliner Medienkunstszene trifft sich bei Suppe und Wein

Erstes Netzwerktreffen 'Medienkunst in Berlin' in der Medienwerkstatt im Kulturwerk des bbk berlin

Am Montag, den 22. Februar 2010 lud der Leiter der Medienwerkstatt, Sami Bill, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Institutionen und Organisationen, die im Bereich Medienkunst arbeiten sowie Künstlerinnen und Künstler zu einem ersten Netzwerktreffen zur ‚Medienkunst in Berlin’. Rund fünfzig Personen besuchten die abendliche Veranstaltung. Darüber hinaus bekundeten viele ihr starkes Interesse per Mail.

 

Nach einer Begrüßung der Gäste durch den Leiter der Medienwerkstatt Berlin und einer Kurzvorstellung des ‚Wegweiser Kunst und Medien Berlin’ durch den Kurator Carsten Stabenow, die Broschüre wird vom mikro e.V. herausgegeben, hielt die Künstlerin Teresa Reuter einen Vortrag mit 3D-Präsentation über ‚Networking und kollaboratives Arbeiten in der Medienkunst’. Sie stellte dabei ihr Medienkunstprojekt ‚Virtuelle Mauer’, eine Zusammenarbeit mit Tamiko Thiel aus München, vor. Das Projekt, das 2009 mit dem Hauptpreis des IBM Innovation Award beim Boston Cyberarts Festival ausgezeichnet wurde, belebt einen Teilbereich der demontierten Berliner Mauer durch eine digitale Rekonstruktion in Form einer virtuellen 3D-Umgebung als Erinnerungsraum wieder. Bei der Realisation der ‚Virtuellen Mauer’ war die Netzwerkarbeit ein Grundbaustein, denn es bedurfte vieler Mitwirkender, die gemeinsam an dem künstlerischen Werk arbeiteten.

 

Im Anschluß präsentierten sich drei Institutionen. Einen kurzen Einblick in die Struktur der Medienwerkstatt im Kulturwerk des bbk berlin gab Sami Bill. Maria Vedder, leitende Professorin des Studiengangs Kunst und Medien an der Universität der Künste Berlin, stellte ihre Arbeit mit den Studierenden an der UdK vor und signalisierte, Offenheit gegenüber Kooperationsprojekten mit anderen Institutionen, Künstlerinnen und Künstlern. Als Dritter berichtete Carsten Seiffarth, Kurator der Hörgalerie Singuhr, einem der zentralen Orte für Klangkunst in Berlin, von der Realisierung verschiedener Projekte und deren Konzeptionen in den historischen Wasserspeichern Berlin Prenzlauer Berg sowie in der Parochialkirche in der Klosterstraße Berlin-Mitte.

 

Im Zentrum dieses ersten Auftakttreffens standen Vernetzung und Kooperations-entwicklung der Medienkunstszene in Berlin, eine Begegnung auf Augenhöhe und Zeit sich kennenzulernen. Allgemeiner Wunsch ist es, das Treffen alle zwei Monate in einer anderen Institution als Gastgeber weiterzuführen.

 

Der temporäre Projektraum tmp.plate - kunst.klause in Berlin-Tiergarten Süd, in der Pohlstr. 70 mit Mathieu Dagorn als künstlerischem Leiter lädt zum nächsten Treffen ein, darauffolgend Yara Spaet, die in den studentischen Projektraum ‚Mach kein Scheiß’ der Klasse ‚Kunst und Medien’ der Universität der Künste Berlin bittet. Die Einladungen zu den folgenden Abenden werden in Kürze versendet.